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Chologene Diarrhoe ©  

(Verlust von Gallensäure)


Was ist eine
Chologene Diarrhoe?  

Die Leber produziert Galle. Diese wird in der Gallenblase gespeichert. Nach dem Essen wird die Gallenflüssigkeit aus der Gallenblase in den Dünndarm sezerniert. Dort emulgiert die Gallensäure die Fette und verbessert somit deren Verdauung. Nähere Einzelheiten: siehe Postcholezystekomiesyndrom.

 Quelle: www.medizinfo.de  

Die Gallensäure wird im terminalen Ileum (Endteil des Dünndarms) wieder aufgenommen und über die Pfortader zurück zur Leber befördert. Dort gelangt sie wieder in die Galle. Es besteht also ein perfekter Recycling-Prozess, der sich zudem durch eine außerordentlich hohe Effizienz auszeichnet. Normalerweise werden nämlich mehr als 90 % der Gallensäure aus dem Darm wieder aufgenommen. Unter besonderen Umständen gelingt dies allerdings nicht mehr so gut. Dann gelangt ein mehr oder weniger großer Teil der Gallensäure in den Dickdarm, wo sie nicht hingehört. Dort werden sie von einigen Dickdarmbakterien verstoffwechselt (dekonjugiert), was zur Bildung von Kokarzinogenen führt (Substanzen, die selbst nicht Krebs erzeugen, aber begünstigen können). Außerdem wird die Darmschleimhaut gereizt. Und der entscheidende Punkt: Es kommt zu starken Durchfällen. Dieses Krankheitsbild wird chologene Diarrhoe (chologen = von der Galle stammend, Diarrhoe = Durchfall) genannt. Oft ist bei der chologenen Diarrhoe nicht nur die Aufnahme von Gallensäure betroffen, sondern auch die Aufnahme von Vitamin B12 (wird ebenfalls im Endteil des Dünndarms aufgenommen), von Fetten und damit indirekt auch von fettlöslichen Vitaminen sowie von Mineralstoffen kann vermindert sein.  

Chologene Diarrhoe: Was sind die Ursachen?  

S    Zwischen Dickdarm und Dünndarm befindet sich gewissermaßen ein Ventil (Bauhin´sche
       Klappe zwischen Ileum und Colon), welches verhindert, dass Dickdarmbakterien in den
       Dünndarm aufsteigen. Wenn diese Klappe nicht richtig funktioniert, können die
       Dickdarmbakterien den Dünndarm besiedeln, dort Gallensäure verstoffwechseln, so dass sie
       nicht mehr aufgenommen werden kann. Man spricht dann vom SBOG (= Small Bowel
       Overgrowth Syndrome = Dünndarmüberwucherungssyndrom).
S     Alle Erkrankungen, bei denen der Endteil des Dünndarms beeinträchtigt ist, können zu einer
       Aufnahmestörung der Gallensäure führen:
S    Die wichtigste und häufigste Erkrankung ist hierbei der Morbus Crohn. Sind die Schleimhäute in
       diesem Bereich deutlich entzündlich verändert, kann daraus eine erhebliche Aufnahmestörung
       resultieren. Die Aufnahme von Fetten, Vitamine und Mineralien ist beim
M. Crohn allein durch
       die Entzündung oft schon erheblich vermindert. Durch die Chologene Diarrhoe kann diese
       Aufnahmestörung nochmals verstärkt werden.
S    Oftmals wird beim M. Crohn-Patienten der Endteil des Dünndarmes operativ entfernt. Damit
       geht dann auch die Aufnahmefähigkeit für Gallensäure und Vitamin B12 weitgehend verloren. 
S    Andere Operationen mit Entfernung des Endteils des Dünndarms (z.B. großzügige
       Tumorentfernung) führen ebenfalls zu einer Chologenen Diarrhoe – je nachdem, wie viel
       operativ entfernt wurde.
S    Bestrahlungen im Rahmen einer Krebserkrankung im Unterleib (z.B. Dickdarmkrebs oder
       Eierstockskrebs) führen oft zu einer lange anhaltenden Entzündungsreaktion der Schleimhaut
       (Strahlencolitis). Ist der Endteil des Dünndarms massiv betroffen, kommt es auch hierdurch zu
       einer Chologenen Diarrhoe. 

Welche Diagnostik ist bei Chologne Diarrhoe wichtig?  

Wegweisend ist die erhöhte Ausscheidung von Gallensäure im Stuhl. Mit einer einfachen Stuhlprobe kann man die Gallensäure im Stuhl nachweisen. Diese Untersuchung stellt allerdings keine Standarduntersuchung von Laboren dar. Auf Stuhluntersuchungen spezialisierte Labore können die chologene Diarrhoe aber in der Regel im Stuhl nachweisen.

Mit den im Stuhl gemessenen Gallensäurenwerten kann man übrigens nur die Wiederaufnahmefunktion des Dünndarms beurteilen, nicht jedoch die Sekretionsleistung der von Leber/Galle. Von einigen Laboren wird dies fälschlicherweise so angegeben.  

 

Quelle: Martin: Gastroenterologische Aspekte in der Naturheilkunde, Ralf Reglin Verlag

Wie wird die Chologne Diarrhoe behandelt?  

Wenn möglich, sollte eine ursächliche Behandlung angestrebt werden. Bei entzündlichen Darmerkrankungen wäre dies beispielsweise die optimale Behandlung der Darmentzündung mit Ernährung, naturheilkundlicher und schulmedizinischer Therapie.  

Ansonsten bleibt nur die symptomatische Behandlung übrig. Wenn beispielsweise der Teil des Darmes, der für die Wiederaufnahme der Gallensäure zuständig ist, oder der Übergang von Dünn- zu Dickdarm mit der Bauhinschen Klappe wegoperiert wurde, dann lässt es sich nicht vermeiden, dass Gallensäure verloren geht. Wir können dann nur noch dafür sorgen, dass diese im Dickdarm keinen Schaden mehr anrichten.  

Dies ist aber leicht möglich. Wenn die chologene Diarrhoe nicht sehr ausgeprägt ist, d.h. im Stuhl nur eine geringe Erhöhung über die Norm vorliegt, kommt man in der Regel mit einem Flohsamenpräparat (z.B. Mucofalk® oder Flosa®) sehr gut aus. Beginnen sollte man mit je einem halben Beutel oder einem Teelöffel nach den Hauptmahlzeiten. Wenn der Erfolg nicht ausreichend ist, kann auf einen Beutel oder einen Esslöffel gesteigert werden. Achtung: Das Pulver muss in einem Glas Wasser angerührt und danach sehr rasch getrunken werden. Wenn man den „Flohsamen-Drink“ längere Zeit stehen lässt, dann geliert er und man hat das Gefühl, flüssige Gummibärchen zu trinken.

Wer Flohsamen nicht mag, oder damit nicht zurechtkommt, kann Heilerde (z.B. Luvos Heilerde) nehmen. Auch hier kommt man in der Regel mit einem Tee- oder Esslöffel nach den Mahlzeiten aus. Achtung: Die Heilerde sollte zusammen mit etwas Wasser eingenommen werden. Wer nachts besonders starke Beschwerden hat, sollte vor dem Zubettgehen noch einmal eine Portion Heilerde oder Flohsamen zu sich nehmen.

Bei sehr hohen Gallesäurewerten im Stuhl wird man mit diesen milden Mitteln allein nicht zurechtkommen. Das Arzneimittel Colestyramin (z.B. Colesthexal Pulver, Colestyramin STADA Granulat, Lipocol-Merz Kautabletten) bindet Gallensäure sehr effektiv und verhindert daher, dass sie die Darmschleimhaut reizen oder von Dickdarmbakterien dekonjugiert werden können. Zu bedenken ist, dass es eine Verstopfung verstärken kann, gelegentlich auch einmal Übelkeit, Durchfall oder andere Magen-Darm-Beschwerden verursachen kann. Die Beschwerden sind aber in der Regel wesentlich geringer als die durch die chologene Diarrhoe selbst verursachten Symptome. Colestyramin sollte nicht zusammen mit anderen Medikamenten, Vitaminen oder Mineralstoffpräparaten eingenommen werden, da deren Aufnahme durch Colestyramin behindert werden kann. Eine weitere, diesmal vielleicht nicht ganz unerwünschte Nebenwirkung: Colestyramin bindet auch Cholesterin im Darm und senkt so den Cholesterinspiegel im Blut. Colestyramin ist für die beiden Indikationen „Hypercholesterinämie“ und „chologene Diarrhoe“ offiziell zugelassen.  

Durch die chologene Diarrhoe wird ja das oben beschriebene Recycling der Gallensäure zunichte gemacht. Unter Umständen kann die Leber oben gar nicht so viel Gallensäure nachproduzieren, wie unten verloren geht. Dadurch haben wir bei der chologene n Diarrhoe nicht selten die fatale Situation, dass wir „oben“ im Dünndarm für die Fettverdauung zu wenige, „unten“ im Dickdarm aber zu viel Gallensäure haben. Wenn also trotz der Therapie mit Colestyramin und in der Laborkontrolle nachgewiesener Normalisierung der Gallensäureausscheidung (im Stuhl werden nur die „freien“, nicht aber die an Colestyramin gebundenen Gallensäuren erfasst) noch Fettstühle mit Blähungen vorliegen, kann eine gallestimulierende Therapie helfen (siehe auch Postcholezystekomiesyndrom). Mit einem gut dosierten Artischockenpräparat (z.B. Hepar SL forte, Hepar-POS) können Sie die Galle gut stimulieren, wenn Sie die Kapseln ¼ bis ½ Stunde vor den Hauptmahlzeiten verzehren. In der Regel reicht eine Kapsel aus, bei fettreichen Mahlzeiten benötigen Sie eventuell auch einmal zwei Kapseln. Die paradox anmutende Therapie, trotz zu viel Gallensäure im Dickdarm die Gallensäurebildung und -freisetzung noch zu stimulieren, kann also durchaus Sinn machen.  

Chologne Diarrhoe - zum Schluss noch eine Fallvorstellung  

Damit Sie sehen, wie schwierig sich manchmal die Diagnostik und Therapie der Chologene n Diarrhoe gestalten kann und welchen Widerständen Sie von Seiten der konventionellen Medizin rechnen müssen, möchte ich Ihnen folgenden Fall vorstellen:  

Frau Hegel (Name geändert), eine 58jährige Patientin mit Zustand nach Operation und Bestrahlung eines Eierstockskrebses 1993, stellte sich im Jahre 2000 in unserer naturheilkundlichen Ambulanz vor. Vor der Operation hatte sie bereits Durchfälle bei psychischen Belastungen (dies könnte auf ein Reizdarmsyndrom hindeuten). Nach der Operation und Bestrahlung gab sie morgens drei dünne, danach noch mehrere wässrige Stühle pro Tag an. Hinzu kamen krampfartige Bauchschmerzen, Völlegefühl und heftige Blähungen. Alle Beschwerden verstärkten sich, wenn sie hektisch war. Sicherlich liegt hier eine Reizdarmkomponente vor, als Hauptursache ist allerdings eine Störung anzunehmen, die ihre Ursache in der Operation bzw. Bestrahlung hat. Sie nahm das starke Durchfallmittel Loperamid (z.B. Imodium®, Lopedium®) ein, welches die Durchfälle etwas minderte. Bei der Koloskopie (Dickdarmspiegelung) fanden sich geringe Schleimhautveränderungen, die als Strahlenproktitis gedeutet worden waren – eine therapeutische Konsequenz hatten die Ärzte hieraus nicht gezogen. In der bei uns durchgeführten subtilen Stuhluntersuchung fanden sich Fette im Stuhl zweifach positiv, Entzündungszeichen im Stuhl waren negativ, aber die Gallensäure war mit 10,2 µmol/g massiv erhöht. Die Gallensäure darf im Stuhl maximal 1,7 betragen. Damit war die Diagnose „chologene Diarrhoe“ bei Frau Hegel gesichert. Bei diesen hohen Gallensäurewerten im Stuhl hätte ich gern 3 Beutel Colestyramin am Tag eingesetzt, um die Gallensäure zu binden und „unschädlich“ zu machen. Leider wurde ihr davon übel. 1-2 Beutel täglich konnte sie jedoch tolerieren und hat hierunter auch eine deutliche Verbesserung ihres Stuhles erfahren. Die chologene Diarrhoe ließ sich gut erklären: Die Bestrahlung des Unterleibes hatte auch die Schleimhaut des Endteiles des Dünndarmes soweit geschädigt, dass Gallensäure kaum noch oder gar nicht mehr aufgenommen werden konnte.  

Die weiterbehandelnden Ärzte zuhause hielten Colestyramin jedoch nicht für erforderlich und setzten es ab. Hierunter setzten die Durchfälle unverändert wieder ein. Frau Hegel plagte sich 3 Jahre zuhause mit zahlreichen Durchfällen, sie konnte ihrer beruflichen Tätigkeit kaum noch nachkommen, trug sich mit dem Gedanken an eine Pensionierung und wurde zunehmend depressiv. Im Sommer 2003 musste sie wegen akuter Darmbeschwerden sogar in ein Akutkrankenhaus eingewiesen werden, wo sie auf ein starkes Entzündungsmittel eingestellt wurde. Hierunter trat aber keine nennenswerte Besserung ein. Immerhin erhielt sie eine stationäre Anschlussheilbehandlung in der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik.  

Hier fanden wir wieder extrem hohe Gallensäurewerte, da die Grundstörung natürlich nicht beseitigt und die symptomatische Gallensäure bindende Therapie abgesetzt worden war. Wir gaben erneut Colestyramin, das entzündungshemmende Medikament wurde abgesetzt. Innerhalb weniger Tage kam es zu einer drastischen Reduktion von vorher 6 dünnen auf 3 geformte Stühle. Die Stuhlkontrolluntersuchung zeigte keinerlei Entzündungszeichen. Sie gibt wieder eine gute Lebensqualität an und hat von ihren Pensionierungsplänen wieder Abstand genommen.  

Sie sehen also: Die chologene Diarrhoe ist zwar sehr unangenehm. Manchmal dauert es auch Jahre, bis es diagnostiziert wird. Dann lässt es allerdings auch recht leicht behandeln

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit  

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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