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Gallenoperation ©

Zustand nach Gallenoperation

Was ist eigentlich die Galle?  

Der Laie versteht darunter die Gallenblase. Die Gallenblase sammelt die in der Leber produzierte Galle (=Gallenflüssigkeit). Am Tag beträgt diese Menge immerhin 700-1500 ml. Bei Bedarf, also nach Mahlzeiten, insbesondere nach fettem Essen, entleert sich die Gallenblase in den Dünndarm. Die Galle, also die Gallenflüssigkeit im eigentlichen Sinne, emulgiert dort den Nahrungsbrei. 

(Quelle:www.medizinfo.com)

Fett und Wasser vermischen sich normalerweise nur sehr schlecht miteinander. In der Milch wurde dieses Problem von der Natur so gelöst, dass das Fett in der wässrigen Eiweißlösung namens Milch in sehr kleinen Tropfen vorliegt. Diese ganz kleinen Tropfen setzen sich daher nicht oben ab, sondern bilden eine Emulsion. Eine solche Emulsion stellt auch der Nahrungsbrei im Dünndarm dar. Unsere Verdauungsenzyme aus der Bauchspeicheldrüse können das Fett in diesen kleinen Tröpfchen sehr viel besser verdauen, als wenn es nicht in dieser Emulsion vorläge.  

Wenn zuwenig Galle produziert wird oder die Ausführungsgänge durch Gallengrieß oder kleine Steinchen teilweise verlegt sind (bei komplettem Verschluss kommt es zu einer sehr schmerzhaften Gallenkolik), dann können Fette nur unzureichend verdaut werden und führen zu Blähungen, mitunter auch zu Durchfällen und fettigen Stühlen.  

Was passiert, wenn die Gallenblase (Gallenoperation) entfernt wurde?  

Die Gallenproduktion in der Leber ist durch die Cholezystektomie (Zustand nach Gallenoperation mit operativer Entfernung der Gallenblase) nicht wesentlich beeinträchtigt. Der Gallengang zwischen Leber und Dünndarm bleibt auch erhalten, so dass die Galle nach wie vor zur Verdauung zur Verfügung steht. Viele meinen daher, die Gallenblase sei ein überflüssiges Organ und entbehrlich. Das stimmt so aber auch nicht!  

Die Gallenblase produziert zwar die Galle nicht, speichert sie aber, um sie dann abzugeben, wenn sie benötigt wird. Sie können zwar auch nach einer Gallenoperation Galle produzieren und in den Dünndarm abgeben, die schnelle Abgabe einer großen Menge ist allerdings nicht mehr möglich, sondern eben nur soviel, wie die Leber gerade in der Lage ist, zu produzieren. 

Viele Menschen bemerken daher nach einer Gallenoperation keine Veränderung ihrer Verdauung, viele können aber größere, fetthaltige Mahlzeiten nicht mehr so gut vertragen. Und einige haben bei fast allen Mahlzeiten Probleme, nach fetthaltigem Essen werden die Beschwerden dann mitunter unerträglich. Solche Beschwerden nach einer Gallenoperation bezeichnen Ärzte als so genanntes Postcholezystektomiesyndrom (post = nach, chole = Galle, zyste = Blase, tomie = schneiden, syndrom = Symptomenkomplex).  

Nach Gallenoperation - Fallbericht  

Frau Schuhmacher (Name geändert), eine 55jährige Patientin, musste sich 1995 wegen eines Gallensteinleidens einer Gallenoperation unterziehen. Danach plagten sie zwar keine Gallenkoliken mehr, fortan konnte sie jedoch fetthaltige Speisen nicht mehr vertragen. Sie bekam davon ein Völlegefühl des gesamten Bauches sowie heftige Blähungen. Außerdem fühlte sie sich ständig erschöpft. Ab Sommer 2001 traten noch periodisch wiederkehrende Durchfälle hinzu. Etwa alle zwei Wochen wurde sie von etwa drei Tage anhaltenden flüssigen Stühlen gepeinigt. Auf Befragen gab sie an, dass die Farbe des Stuhles hellgelb sei.  

Dies ist eine sehr wertvolle Information, die viel zu selten von den Ärzten erfragt wird (sind Sie schon einmal von Ihrem Arzt nach der Farbe Ihres Stuhles gefragt worden?). Bei sehr dunklem Stuhl sollte dieser nach verstecktem Blut untersucht werden. Ein lehmgelber oder fast farbloser Stuhl bedeutet, dass zuwenig Farbpigmente aus der Galle vorhanden sind. Die Gallenfarbstoffe sorgen nämlich für die typisch braune Färbung des Stuhles.  

Die Beschwerden ließen an ein Postcholezystektomiesyndrom denken. Leider gibt es kein einfaches Testverfahren, mit dem eine zu geringe Sekretion der Galle nachgewiesen werden kann. Die Stuhluntersuchung hilft aber dennoch entscheidend weiter. Bei Frau Schuhmacher fanden wir 4,79 g Fett pro 100 g Stuhlgewicht. „Erlaubt“ sind maximal 4,5 g. Erschwerend kommt hinzu, dass Frau Schuhmacher sich aufgrund ihrer schlechten Fettverträglichkeit nach der Gallenoperation ziemlich fettarm ernährt. Aber selbst die geringe Menge in der Nahrung konnte sie nur ungenügend verwerten. Es besteht also eine Fettverdauungsstörung. Bei der genaueren Analyse fanden wir, dass sich im Stuhl keine Fettsäuren fanden, sondern nur ganzes Neutralfett. Was bedeutet dies?  

Im oberen Dünndarm werden die Fette durch die Galle emulgiert und dann durch die Lipasen (fettspaltende Enzyme der Bauchspeicheldrüse) in Fettsäuren gespalten, die dann im weiteren Verlauf des Dünndarmes aufgenommen werden. Bei Erkrankungen des Dünndarmes (z.B. einer Entzündung) finden wir daher auch Fettsäuren vermehrt im Stuhl. Da diese jedoch nicht nachweisbar waren, muss die Ursache der Fettverdauungsstörung eine Etage höher, also bei Bauchspeicheldrüse oder Galle liegen. Die Menge des Bauchspeicheldrüsenenzyms Pankreas-Elastase 1 lag im Stuhl jedoch völlig im Normbereich, so dass im Sinne einer Ausschlussdiagnostik eigentlich nur die Galle als „Bösewicht“ übrig bleiben konnte.  

Mit einer Stimulation der Gallenproduktion und –freisetzung müsste es daher gelingen, die Fettverdauung zu verbessern. Dann können die Fette nicht mehr in den Dickdarm gelangen, wo sie von den dort angesiedelten Bakterien fleißig verstoffwechselt werden, was zu einer übermäßigen Gasbildung und damit zu Blähungen und weiteren Beschwerden des Postcholezystektomiesyndrom führt. Frau Schuhmacher erhielt ein gut dosiertes und qualitativ hochwertiges (beides ist wichtig!) Artischockenpräparat verordnet. Hiervon sollte sie eine Kapsel ¼ bis ½ Stunde vor jeder Hauptmahlzeit einnehmen (bei fettreichen Speisen auch einmal zwei Kapseln). Bei Allergie gegenüber Artischocke (sehr selten) kommt als Alternative auch ein Curcuma-Präparat in Frage.  

Nach einem Jahr suchte Frau Schuhmacher aus anderen Gründen erneut die Habichtswaldklinik Kassel auf. Wir veranlassten zur Kontrolle eine nochmalige Stuhluntersuchung, in der sich keine Fette oder Fettsäuren mehr nachweisen ließen. Sie gab einen normalen Appetit an, der Stuhlgang war regelmäßig, täglich und geformt. Blähungen oder Durchfälle gehörten für sie der Vergangenheit an. Nebenbei fanden wir noch eine mehr als zehnprozentige Reduktion ihres erhöhten Cholesterinspiegels, was ebenfalls durch das Artischockenpräparat ermöglicht wurde. Frau Schuhmacher hatte sich sechs Jahre lang nach der Gallenoperation quälen müssen, bis mit ganz einfachen diagnostischen Verfahren und einer preiswerten, nebenwirkungsarmen, naturheilkundlichen Therapie ihr Postcholezystektomiesyndrom erfolgreich behandelt werden konnte. Die zuvor konsultierten Ärzte hatten zwar auch ein Postcholezystektomiesyndrom diagnostiziert, jedoch gemeint, bei Beschwerden nach einer Gallenoperation könne man nicht viel machen, damit müsse man eben leben.  

An diesem Beispiel wird jedoch ersichtlich, wie auch nach Jahren eines chronischen Leidens (Postcholezystektomiesyndrom) durch gezielte Diagnostik und einfache Therapie praktisch eine Heilung der Beschwerden und eine deutlich verbesserte Lebensqualität erzielt werden kann.  

Weitere Informationen über eine subtile Stuhldiagnostik bei Postcholezystektomiesyndrom, aber auch bei Blähungen anderer Ursache, Reizdarm, Bauchspeicheldrüsenschwäche, Gallensäureverlustsyndrom, Durchfall, Verstopfung, Laktoseintoleranz und Fruktoseintoleranz erhalten Sie unter Diagnostik bei Meteorismus.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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